In früher Morgenstunde


Eine Interpretation des Vaterunsers
in der Form eines täglichen Widmungsgebets




In früher Morgenstunde komme,
o Vater, ich vor deinen Thron,
von deinem guten Geist gedrungen,
versöhnt durch deinen lieben Sohn,
verbunden mit der Schar der Deinen,
die sich um deinen Thron vereinen.

Hilf, daß mir heut dein Name heilig
und herrlich vor der Seele steht,
daß es mir einzig und beständig
um deines Reiches Kommen geht
uns daß für all mein Tun und Streben
dein Wille mag den Ausschlag geben;

Daß deine ewigen Gedanken
ich immer besser fassen kann,
bejahen deine Wunderwege,
verstehen deinen Liebesplan,
bis ich das ganze Weltgeschehen
im Licht von oben lerne sehen;

Daß es mir nicht um Menschenehre,
und Erdenglück und -güter geht,
solange noch das Heil und Leben
der Menschheit auf dem Spiele steht:
Ich will, von deinem Geist getrieben,
die Welt mit deiner Liebe lieben.

Mein Brot und Zubrot gib mir heute:
Gern nehme ich aus deiner Hand
des Tages Pflicht, die Kraft zum Wirken,
mein Glück und Leid und jedes Band,
das mich mit andern hält verbunden
in guten wie in bösen Stunden.

Erlaß mir alle meine Schulden
und mach mich wieder neu bereit,
die Schuld der anderen zu vergeben!
Gib mir von deiner Freundlichkeit,
daß ich auch ohne Gegenliebe
Barmherzigkeit und Liebe übe!

In Stunden der Versuchung breite
die Hände schützend über mich!
Bewahre mich vor allem Straucheln
und richte meinen Blick auf dich!
Laß mich in Nacht den Ausweg finden,
im Kampf die Kraft zum Überwinden!

Erlöse mich von allem Bösen,
befreie mich von jedem Bann
und stärke mich in der Gewißheit,
daß nichts von dir mich trennen kann,
bis alles was die Menschheit knechtet,
auf ewig weg ist und entrechtet.

Was ich für mich erbeten habe,
das schenke meinen Brüdern auch,
die mit mir kindlich dir vertrauen,
belebt durch deines Geistes Hauch,
und außerdem auch allen denen,
die sich nach deiner Liebe sehnen.

Dein ist das Reich, dein sind wir alle,
dein ist die Kraft und Herrlichkeit,
dein sind Vergangenheit und Zukunft,
dein ist die ganze Ewigkeit.
Was lebt und ist, preist deinen Namen!
Ja, Vater, du erhörst uns. Amen!

Richard Neumaier (1907-1990)



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